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Der Rabatt-Mythos: Warum 50 % + 20 % Rabatt niemals 70 % ergibt

Erfahren Sie, warum zwei aufeinanderfolgende Rabatte von 50 % und 20 % keinen Gesamtrabatt von 70 % ergeben, sondern nur 60 %. Mit Formel, Rechenbeispielen in Euro und Vergleichstabellen.

Leitfaden

Veröffentlicht am March 17, 2026

Stellen Sie sich vor, Sie sehen ein Schild im Schaufenster: «50 % Rabatt + 20 % Extra-Rabatt». Ihr Kopf rechnet blitzschnell: 70 % Rabatt. Doch das ist falsch. Der tatsächliche Rabatt beträgt nur 60 %, nicht 70 %. Dieser Rechenfehler ist so verbreitet, dass Händler ihn gezielt ausnutzen, damit ihre Angebote attraktiver wirken, als sie tatsächlich sind. In diesem Artikel erklären wir Ihnen genau, warum das so ist, wie die Mathematik hinter aufeinanderfolgenden Rabatten wirklich funktioniert und wie Sie sich vor der Rabattfalle schützen.


Warum ergibt 50 % + 20 % nicht 70 %?

Wenn ein Händler zwei Rabatte nacheinander gewährt, wird der zweite Rabatt nicht auf den Originalpreis berechnet, sondern auf den bereits reduzierten Preis. Genau hier liegt der Denkfehler.

Konkretes Beispiel: Eine Winterjacke kostet 200 €.

1. Erster Rabatt von 50 %: 200 € x 0,50 = 100 €. Der Preis sinkt auf 100 €.

2. Zweiter Rabatt von 20 %: 100 € x 0,20 = 20 €. Der Preis sinkt auf 80 €.

Ergebnis: Sie zahlen 80 € statt 200 €. Das entspricht einem tatsächlichen Rabatt von 60 %, nicht 70 %.

Wäre der Rabatt wirklich 70 %, müssten Sie nur 60 € zahlen. Die Differenz von 20 € ist genau das, was der Rabatt-Mythos dem Händler in die Kasse spielt.


Die mathematische Formel hinter dem Mehrfachrabatt

Um den Gesamtrabatt bei zwei aufeinanderfolgenden Rabatten korrekt zu berechnen, verwenden Sie diese Formel:

Gesamtrabatt = 1 − (1 − d₁) × (1 − d₂)

Dabei sind d₁ und d₂ die Rabatte als Dezimalzahlen.

Anwendung auf unser Beispiel:

Gesamtrabatt = 1 − (1 − 0,50) × (1 − 0,20)

Gesamtrabatt = 1 − 0,50 × 0,80

Gesamtrabatt = 1 − 0,40 = 0,60 = 60 %

Diese Formel gilt für jede beliebige Kombination von Rabatten. Für drei oder mehr Rabatte erweitern Sie die Multiplikation einfach um weitere Faktoren:

Gesamtrabatt = 1 − (1 − d₁) × (1 − d₂) × (1 − d₃)

Das entscheidende Prinzip: Rabatte werden miteinander multipliziert, niemals addiert.


Vergleichstabelle: Was Sie erwarten vs. was Sie tatsächlich sparen

Hier sehen Sie die häufigsten Rabattkombinationen im direkten Vergleich. Die Spalte «Erwarteter Rabatt» zeigt, was die meisten Menschen annehmen, während «Tatsächlicher Rabatt» den korrekten Wert angibt:

Rabatt 1Rabatt 2Erwarteter RabattTatsächlicher RabattDifferenz
10 %10 %20 %19 %1 %
20 %10 %30 %28 %2 %
20 %20 %40 %36 %4 %
30 %20 %50 %44 %6 %
50 %20 %70 %60 %10 %
50 %30 %80 %65 %15 %
40 %30 %70 %58 %12 %
60 %20 %80 %68 %12 %
50 %50 %100 %75 %25 %
70 %30 %100 %79 %21 %

Der Extremfall: 50 % + 50 % ist nicht gratis

Das eindrücklichste Beispiel: 50 % + 50 % Rabatt. Addiert man die Prozente, erhält man 100 % — also geschenkt. Aber so funktioniert Mathematik nicht.

Der erste 50-%-Rabatt halbiert den Preis. Der zweite 50-%-Rabatt halbiert diesen halbierten Preis noch einmal. Ergebnis: Sie zahlen 25 % des Originalpreises. Der echte Gesamtrabatt beträgt 75 %, nicht 100 %.

Bei einem Fernseher für 800 € heißt das konkret: Nach dem ersten 50-%-Rabatt zahlen Sie 400 €. Nach dem zweiten 50-%-Rabatt zahlen Sie 200 €. Statt 0 € (wie bei fälschlich addierten 100 %) liegt der tatsächliche Preis bei 200 €.

Dieses Beispiel beweist: Je höher die einzelnen Rabatte, desto größer wird die Kluft zwischen dem wahrgenommenen und dem tatsächlichen Gesamtrabatt.


Warum werben Händler so? Die Psychologie der Rabattfalle

Es ist kein Zufall und kein Fehler. Händler wissen genau, dass Verbraucher dazu neigen, Prozente intuitiv zu addieren. Ein Angebot wie «30 % + 20 % Extra-Rabatt» klingt deutlich attraktiver als «44 % Rabatt» — obwohl beides exakt dasselbe bedeutet.

Diese Taktik ist besonders verbreitet bei:

Winterschlussverkauf (WSV) und Sommerschlussverkauf (SSV): Ein Basisrabatt auf die alte Kollektion plus ein zusätzlicher Räumungsrabatt.

Online-Shops wie Zalando, About You oder Otto: «10 % Newsletter-Rabatt + 20 % Sale» oder «Gutscheincode on top».

Elektronikfachmärkte wie MediaMarkt und Saturn: Aktionsrabatte auf bereits reduzierte UVP-Preise, besonders am Black Friday oder bei Lagerverkäufen.

Outlet-Center wie Wertheim Village oder Ingolstadt Village: Rabatt auf den UVP plus ein saisonaler Zusatzrabatt im Geschäft.

Die Werbung ist nicht illegal — jeder einzelne Rabatt wird korrekt angewendet. Aber die Darstellung nutzt gezielt Ihre fehlerhafte Intuition aus, damit der Gesamtrabatt größer wirkt, als er tatsächlich ist.


Drei Rabatte nacheinander: Der Effekt verstärkt sich

Wenn die Abweichung bei zwei Rabatten schon spürbar ist, wird sie bei drei Rabatten richtig deutlich.

Beispiel: 30 % + 20 % + 10 % auf einen Laptop für 1.000 €.

Wenn Sie addieren: 30 + 20 + 10 = 60 % Rabatt — Sie erwarten, nur 400 € zu zahlen.

So wird tatsächlich gerechnet:

1. 1.000 € × 0,70 = 700 € (nach 30 % Rabatt)

2. 700 € × 0,80 = 560 € (nach 20 % Rabatt)

3. 560 € × 0,90 = 504 € (nach 10 % Rabatt)

Tatsächlicher Gesamtrabatt: 49,6 %. Sie zahlen 504 € statt der erwarteten 400 €. Die Differenz von 104 € ist der Preis, den die Illusion der addierten Rabatte kostet.

Angewendete RabatteErwarteter RabattTatsächlicher RabattEndpreis (bei 1.000 €)
30 %30 %30 %700,00 €
30 % + 20 %50 %44 %560,00 €
30 % + 20 % + 10 %60 %49,6 %504,00 €

Praxisbeispiel: Zalando-Sale mit Newsletter-Gutschein

Ein typisches Szenario beim Online-Shopping in Deutschland: Zalando bietet im Sale einen Mantel für ursprünglich 250 € mit 40 % Rabatt an. Zusätzlich haben Sie einen Newsletter-Gutschein über 15 % Extrarabatt.

Die falsche Rechnung: 40 % + 15 % = 55 % Rabatt → 112,50 €.

Die korrekte Rechnung:

1. Originalpreis: 250 €

2. Erster Rabatt (40 % Sale): 250 € × 0,60 = 150 €

3. Zweiter Rabatt (15 % Newsletter-Gutschein): 150 € × 0,85 = 127,50 €

Tatsächlicher Gesamtrabatt: 49 %. Sie zahlen 127,50 € statt 112,50 €. Die Differenz von 15 € ist das Geld, das Ihnen die falsche Kopfrechnung im Warenkorb vorgaukelt.

Dieses Szenario wiederholt sich bei jeder Kombination aus Sale-Preis und Gutscheincode — ob bei MediaMarkt, About You, Douglas oder Amazon.


So schützen Sie sich: Den echten Rabatt immer selbst berechnen

Wenn Sie das nächste Mal ein Angebot mit kombinierten Rabatten sehen, gehen Sie wie folgt vor:

1. Addieren Sie niemals die Prozente. Nie.

2. Wenden Sie den ersten Rabatt auf den Originalpreis an.

3. Wenden Sie den zweiten Rabatt auf das Ergebnis an, nicht auf den Originalpreis.

4. Vergleichen Sie den Endpreis mit dem Originalpreis, um den tatsächlichen Gesamtrabatt zu ermitteln.

Oder nutzen Sie einfach unseren Mehrfachrabatt-Rechner: Geben Sie den Originalpreis und beliebig viele Rabatte ein und erhalten Sie sofort den Endpreis sowie den echten Gesamtrabatt in Prozent. Ohne Kopfrechnen, ohne Fehler, ohne böse Überraschung an der Kasse.

Besonders in der Vorweihnachtszeit, am Black Friday und während des Schlussverkaufs lohnt es sich, genau hinzuschauen. Je verlockender das Angebot klingt, desto wichtiger ist die Kontrolle mit dem Taschenrechner — oder besser noch: mit unserem Online-Rechner.